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MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Samstag, 1. November 2014

Oscar Niemeyer: Le Volcan, Le Havre, 1977 - 1982




Als ich vor etwa einem Jahr nach Le Havre fuhr, um mir Auguste Perrets Modulstadt (Link) und Oscar Niemeyers Kulturzentrum anzuschauen, schienen dessen großer und kleiner Vulkan tatsächlich von einer alles zerstörenden Subduktionszone umgeben zu sein, die sich inmitten der Stadt am Bassin de Commerce aufgetan hatte. Obwohl das Ensemble erst 1982 eröffnet worden war, hatte man sich offensichtlich zu einer umfassenden Renovierung, um nicht zu sagen: Demontage der Anlage entschlossen und den ehemals taubenförmigen Grundriss in eine Kraterlandschaft verwandelt.


Oscar Niemeyer hatte bereits beim Entwurf des Hauptquartiers der Kommunistischen Partei Frankreichs (Link) in Paris mit dem Architekten Jean-Maur Lyonnet zusammengearbeitet. Obwohl schon 1966 begonnen, wurde das Gebäude erst im Jahr 1980 fertig gestellt. Ab 1977 entwickelte Niemeyer parallel dazu den Plan für das Kulturzentrum in Le Havre, ebenfalls zusammen mit J.-M. Lyonnet. Die gemeinsame Arbeit der beiden Architekten sollte sich danach noch bis in die Neunzigerjahre fortsetzen. 



Der große und der kleine Vulkan bildeten schließlich mit ihren geschwungenen Formen und dem im grellen Licht der Normandie strahlenden Weiß eine Harmonie mit der strengen Geradlinigkeit von Perrets Stadtgrundriss und den aus Modulteilen bestehenden Gebäuden. Im Jahr 1990 erhielt das Ensemble aufgrund der Form der Gebäude den offiziellen Namen „Le Volcan“. Ganz im Gegensatz zu der Assoziation, die der Name „Volcan“ mit sich bringt, erkennt man aus der Vogelperspektive, dass die geschwungenen Rampen und Brüstungen, die um die beiden Gebäude verlaufen und die verschiedenen Ebenen des Platzes am Bassin de Commerce markieren, den Umriss einer Taube ergeben (Link). 


Im Jahr 1990 erhielt das Ensemble den offiziellen Namen „Le Volcan“. Ganz im Gegensatz zu der Assoziation, die der Name „Volcan“ mit sich bringt, erkennt man aus der Vogelperspektive, dass die geschwungenen Rampen und Brüstungen, die um die beiden Gebäude verlaufen und die verschiedenen Ebenen des Platzes am Bassin de Commerce markieren, den Umriss einer Taube ergeben.


Vor Niemeyers Tod im Jahr 2012 holte man sich dessen Zustimmung zur Sanierung der Gebäude ein. Der kleine Vulkan sollte von einem Konzertsaal in eine Mediathek umgebaut werden, der Konzert- und Theatersaal des großen Vulkans sollte modernisiert (inclusive Wärmedämmung und Verbesserung der Akustik) und zusätzlich der Zugang zu der tiefer gelegnen Ebene des taubenförmigen Platzes erleichtert werden. Die Umsetzung all dieser Maßnahmen machten es offensichtlich notwendig, die gesamte Anlage so weit abzureißen, dass bei meinem Besuch im September 2013 nur noch die Hüllen der beiden Vulkane dastanden, deren Innenleben, Rampen und Brüstungen brachial entfernt worden waren.

Der Sender France 3 Haute-Normandie, der immer wieder über die Baufortschritte informiert, berichtet nun, dass eine dem großen Vulkan aufgesetzte Rauchabzugshaube, die die gesamte Silhouette des Gebäudes verändert und die im Plan von 2011 noch nicht vorgesehen war, den Status des Kulturzentrums als Unesco Weltkulturerbe gefährde (Link). Das ist so bildhaft wie typisch, dass es keines weiteren Kommentars bedarf.



Kommentare :

Karen Simon hat gesagt…

das sieht interessant aus ! ein vulkan auf dem dach, quasi... ich hab vor kurzem diesen bereichernden artikel zu moderner architektur gelesen, könnte dir gefallen:
http://smart-magazine.com/space/grand-architectural-schemes/
liebe grüsse !

Scissorella hat gesagt…

Liebe Karen,
vielen herzlichen Dank für Deinen Kommentar und den Link zu dem Artikel über parasitäre Architektur!
Das ist ja wirklich wie bei Charles Wilp, der sich damals ein Futuro aufs Dach gestellt hat.
Mit den allerbesten Grüßen,
Julia