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MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Sonntag, 19. Oktober 2014

Auguste Perret: St. Joseph, Le Havre 1951- 57




Der Wiederaufbau Le Havres nach den Ideen von Auguste Perret fand seinen Abschluss und Höhepunkt in der Einweihung der Église St. Joseph im Jahr 1964. Außen mit Waschbetonplatten verkleidet, erschließt sich die eigentliche Dimension von St. Joseph erst im Inneren, wo das Licht durch millionen von farbigen Glaselementen auf eine gigantisch anmutende Betonkonstruktion fällt. Wie bei den Wohn- und Verwaltungsgebäuden Perrets kann man dort, im offenen Innenraum der Kirche, deren gesamte Konstruktion nachvollziehen. Zahllose Betonpfeiler gruppieren sich umeinander, um den hoch aufragenden Kirchturm zu tragen. Steht man inmitten all dieser Pfeiler und Streben und blickt hinauf in das offene Innere des Turms, glaubt man im schönsten, futuristischsten Atomkraftwerk des gesamten Landes zu stehen. St. Joseph wird gemeinhin als Mahnmal für die großflächige Zerstörung Le Havres im Zweiten Weltkrieg bezeichnet und dabei mit einem Leuchtturm verglichen. Tatsächlich wird nachts die Innenbeleuchtung der Kirche intensiviert, sodass ihr Licht weit hinaus auf das dunkle Meer fällt und von den in der Ferne vorbeiziehenden Schiffen aus zu sehen ist.

Perrets Ideen reichen zurück in die Zwanzigerjahre, in die Zeit, aus der seine andere sehr bekannte Kirche stammt, Notre Dame de Raincy (1922/23). Auch der Entwurf für St. Joseph basiert auf einem Plan aus dem Jahr 1926. Bereits damals hatte Perret eine gigantische Kirche für Paris entworfen, die jedoch niemals gebaut wurde. Für St. Joseph vereinfachte und verkleinerte er schließlich seinen Entwurf. Auf diese Weise lässt sich vielleicht auch der ungewöhnliche Gesamteindruck erklären, den das Stadtbild Le Havres und insbesondere auch die Église St. Joseph bei Besuchern hinterlässt. Die Gebäude wirken in ihrer Modulhaftigkeit und der konsequenten Verwendung von Stahlbeton einerseits absolut fortschrittlich und im besten Sinne des Wortes modern. Andererseits entsprechen Perrets Bauten so gar nicht dem Bild, das man gemeinhin von der filigranen Stahl- und Glas-Architektur den Fünfziger- und Sechzigerjahre hat. Eher noch denkt man an den sozialistischen Klassizismus der Karl-Marx-Allee in Berlin, die ebenfalls aus den Fünfzigerjahren stammt (oder sogar an den Singing Tower an der Rainbow Bridge in Niagara Falls, Link).

Sonntag, 5. Oktober 2014

Auguste Perret: Le Havre - Der Wiederaufbau 1944 bis 1964



Einmal eine gesamte Stadt anzulegen mag der Traum manch eines Architekten sein. Sowohl für LeCorbusier als auch für Oscar Niemeyer ging der Traum mit den Städten Chandigarh und Brasilia in Erfüllung. Für beide Architekten war jedoch die Ausgangssituation eine andere als bei Auguste Perret im Fall von LeHavre.

Als LeCorbusier um 1950 mit dem Auftrag betraut wurde, nach der Teilung Indiens der Region Punjab eine Hauptstadt zu bauen, stand ihm dafür eine riesige Fläche zur Verfügung, auf der er all seine Überlegungen zu den Themen „Zoning“ und „Autogerechte Stadt“ umsetzen konnte. Eine Stadt hatte es an dieser Stelle nie gegeben und Chandigarh wurde nach einem in der Nähe gelegenen Dorf benannt.

Auch als sich Oscar Niemeyer in den Fünfzigerjahren auf holprigen Staßen auf den Weg ins Landesinnere von Brasilien machte, um auf das staubige Hochplateau seine futuristische neue Hauptstadt zu stellen, befand sich dort bis dahin ebenfalls nichts anderes als Landschaft. Zudem konzentrierten sich sowohl Niemeyer als auch LeCorbusier vor allem auf den jeweiligen Verwaltungsbezirk ihrer Städte.

Als Auguste Perret jedoch im Jahr 1944 die Leitung des Wiederaufbaus von Le Havre übernahm, erwartete ihn dort eine ganz andere Situation. Über den gesamten Zweiten Weltkrieg hinweg war die Hafenstadt an der Mündung der Seine im Norden Frankreichs immer wieder bombardiert und damit so gut wie komplett zerstört worden. Perret war mit einem riesigen Trümmerfeld konfrontiert und stand vor der Aufgabe, eine gesamte Stadt zu entwerfen, die mehr als nur einen Verwaltungsbezirk umfassen sollte. Perret war zu diesem Zeitpunkt bereits siebzig Jahre alt und verfügte über eine lebenslange Erfahrung mit dem Werkstoff Eisenbeton. Zudem stand ihm ein sechzigköpfiges Team aus Architekten zur Seite.

Freitag, 3. Oktober 2014

Inside the Speaker: Katharina Grosse im Museum Kunstpalast Düsseldorf

Scissorella inside the Speaker (Danke für das Foto, O.G.!)

Am letzten Sonntag wurde im Museum Kunstpalast Katharina Grosses 800 Quadratmeter große Rauminstallation mit dem Titel „Inside the Speaker“ eröffnet (Link). Katharina Grosse ist bekannt für ihre großflächigen Farbexzesse, mit denen sie schon lange das Format handelsüblicher Leinwände verlassen hat und neben ihren gigantischen Gemälden immer wieder Räume und Gebäude bearbeitet. Eine ganze Landschaft anzulegen ist jedoch ein neues Element ihrem Werk.

Am Sonntagnachmittag also kletterten unzählige Zuschauer begeistert über die farbigen Erdhügel und Felsen Katharina Grosses und wurden damit selbst Teil des unwirklichen Szenarios.